Dienstag, 17. August 2010

Dienstage mag ich nicht.

"Dienstage mag ich nicht", sage ich und verziehe das Gesicht.
Sie nickt zustimmend und ich bin irritiert.
Achja, natürlich. Ihr wisst alle, warum. Weil Dienstag direkt nach Montag kommt, weil an Dienstagen besonders viel gelernt werden muss und die Fächer zu wünschen übrig lassen.
Ihr wisst nichts.
Die Frau mit den langen dunklen Haaren, durch die ich gerne einmal fahren würde, erklärt mit übertrieben brtitischem Akzent, darling, stilistische Mittel, während ich gedankenverloren die Dienstagmorgenzeichnung unter meine Hausarbeit platziere.
Dann richte ich meine Aufmerksamkeit gütig auf den mir vorgelegten Text. Ich weiß, dass sie mich jetzt aus den Augenwinkeln beobachtet. Das macht sie immer.
Wie soll ich diesen Tag nur überstehen?
Von allen Seiten wird auf mich eingeredet, das ist dienstags am schlimmsten.
"Würdest du dich kurz von deinem Innenleben trennen und mir zuhören?"
Ich blicke auf. Das Mädchen lächelt, streift meine Hand und fängt an zu reden.
Ich nicke und schalte ab.
Dienstags kann ich Gesten nicht deuten.

Dienstags hat sie keinen Unterricht.
Dienstags kann ich ihren Nacken nicht unverstohlen anstarren.

Montag, 16. August 2010

Teufelskerl

An deiner Jacke klebt ein Leben lang das Preisschild
in deinem Hut steht nicht dein Name sondern keiner
deine Schuhe sind zu klein
und sie laufen auch noch ein
und dein Schirm ist so zerfetzt wie selten einer

Wenn man dich anspricht fällst du jedesmal ins Stottern
du weißt nie Auskunft ganz egal was man dich fragt
du gehst seitlich abgeknickt
mancher hält dich für verrückt
du vergißt Befehle eh sie jemand sagt

Doch wenn die Bilder kommen fängst du an zu wachsen
wenn die Geschichten blühen wirst du ganz ihr Beet
aus unsichtbaren Lehm kannst du
uns Märchenschlösser kneten
du Teufelskerl
beim Barte des Propheten

Du würdest alles tun für undankbare Freunde
du bist so einsam daß du deinen Nabel kaust
doch du öffnest nie die Tür
es ist wunderlich bei dir
niemand würde glauben wie du wirklich haust

Für deine Gabe kannst du dir nichts Feistes kaufen
was dir gehört ist so verwegen wie die Luft
deinesgleichen fällt zum Opfer
dem Geschmeiß der Sprücheklopfer
wenn du ausstirbst fehlt der ganzen Welt der Duft

Doch wenn die Stimmen flüstern wird dein Ohr zum Flügel
dein alter Teppich ja dein ganzes Zimmer fliegt
und das was kaum zu fassen ist
klingt schöner noch als Beten
du Teufelskerl
beim Barte des Propheten

Doch wenn die Bilder kommen fängst du an zu wachsen
wenn die Geschichten blühen wirst du ganz ihr Beet
aus unsichtbaren Lehm kannst du
uns Märchenschlösser kneten
du Teufelskerl
beim Barte des Propheten

Herman van Veen, Teufelskerl

Sonntag, 15. August 2010

Sonntagnachmittag, Kino.






Wie ich es liebe, am Sonntag, nachdem alle Arbeit getan ist, ins Kino zu gehen!
Nun komme ich gerade aus dem Film Mademoiselle Chambon und habe das Bedürfnis, meine Gedanken kundzutun.
Zunächst muss ich sagen, dass ich im wunderbarsten Kino der Stadt war, in dem Popcorn mit Zimt verkauft wird. Nichts Kommerzielles, von außen unscheinbar und von innen atemberaubend. Mit einem großen Kinosaal und einem riesigen. Jemand, der in ein Cinemaxx geht, hat keine Vorstellung davon, wie schön ein Kino sein kann.
Genug, zum Film.
Ich liebe französische Filme. Das sage ich nicht, weil es gerade in Mode ist, nein. Ich liebe französische Filme.
Natürlich kann man soetwas nie über einen Kamm scheren, ich weiß. Aber es gibt wenige französische Filme, die mir nicht gefallen.
Im Film geht es um die schüchterne Annäherung zwischen Jean, der verheiratet ist und einen Sohn hat, und Mademoiselle Chambon, der Lehrerin seines Sohnes.
In einer Kritik habe ich die Wörter "das Neigen von Herzen zu Herzen" aufgeschnappt, und ich finde, dass man nicht mehr zu diesem Film sagen muss.
Der Film kommt sehr gut ohne Worte aus oder nur mit wenigen. Auch wird auf große Effekte verzichtet. Umso anrührender sind aber die kleinen Gesten und die schöne Filmmusik.
Mir, die ich nicht oft im Kino weine, liefen die Tränen noch, als das Licht im Kinosaal wieder angeschaltet wurde.
Ich kann jedem diesen Film empfehlen - und sei es nur, um die wunderschöne Mademoiselle Chambon anzusehen.

Freitag, 13. August 2010

Pavarotti oder "bonjour, tristesse!"

Heute habe ich Pavarotti gehört.
Das Radio schepperte richtig, als ich die Lautstärke aufdrehte.
Schrecklich, theatralisch und wunderschön.

Und dann wurde ich tieftraurig, denn mir viel ein, dass der Gute ja längst nicht mehr lebt.
Und dabei wollte ich ihn doch heiraten.



Mittwoch, 11. August 2010

Lueur d'espoir

Für mich hat nun also wieder die Schule angefangen und das drückt seltsamerweise sehr auf meine Stimmung. Denn eigentlich gehe ich doch recht gern in die Schule. Mögt ihr denken, was ihr wollt.

Ich habe mir angewöhnt, nach der Schule (was dreimal in der Woche erst um sechs Uhr ist) etwas für mich zu tun. Meist lese ich, musiziere oder betätige mich künstlerisch.
Mir fiel dann neulich einmal wieder Le petit prince oder auf Deutsch: Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände. Natürlich, natürlich. Ihr kennt es, jeder hat es gelesen, schon klar.
Aber ich habe nun begonnen, mich einmal richtig damit zu beschäftigen.
Ich habe viel dazu gezeichnet und gemalt (auch die Wände meines Zimmers wurden nicht verschont) und auch einiges geschrieben.
Was ich euch eigentlich bloß sagen möchte: Lest dieses Buch! Lest es, lest es, lest es!
Denn es macht glücklich!



"Das sie es ist, die ich weinen oder sich rühmen gehört habe oder auch manchmal schweigen. Da es meine Rose ist."